Inge Linne 2019Inge Linne

Bis 1972 drohte fußballspielenden Frauen in Deutschland noch die Inhaftierung - 6 Jahre später begannen meine Freundin und ich mit 9 Jahren in meinem sehr kleinen Heimatdorf im „Jungsteam“ Fußball zu spielen. Das ging ein Jahr gut und ich war eine richtige Goalgetterin. Ziemlich bald mussten meine Freundin und ich das Team verlassen, der Trainer fürchtete die anstehende Pubertät und es gab im Umkreis von 100 Kilometern kein „Mädchenteam“. Heute sind wir auch Dank der Frauen Bolz WM in Kassel ein grosses Stück weiter - aber noch lange nicht am Ziel. Der Kampf um gute Spielplätze, Ressourcen und Gehalt (das legendäre Kaffeservice) geht weiter und der Verdienst der Fußballpionierinnen wie Emma Clark (*1876) oder Marta (*1986) kann gar nicht hoch genug bewertet und mit Respekt geachtet werden. Denn, es geht wie so oft im Leben, nicht nicht nur um Fußball - vielmehr steht dieser für Fairness, Akzeptanz und echte gelebte Gleichberechtigung! Für die Erreichung diese Werte spiele ich auch dieses Jahr wieder beim Come-Together-Cup in Köln und wenn Tugba Tekkal mal nicht hinschaut, schieße ich vielleicht auch ein Tor. 

In diesem Sinne möchte ich mich ganz herzlich beim Orgateam der Frauen Bolz WM 2019 bedanken, mich als Schirmträgerin angefragt zu haben und euch tolle, faire und inklusive Spiele wünschen - ihr macht die Welt ein gutes Stück besser! Liebes Teams: Hört nicht auf zu bolzen und sichtbar zu sein, auch wenn andere sich darüber wundern. Danke dafür! 

Inge Linne - vom Herzen, ehemalige Kasselerin und Bolzerin.

 

 

Kristina MarlenMarlen 58

 

Kristina Marlen hat den Großteil ihrer Kindheit in Kassel verbracht und fühlt sich der Stadt noch immer auf eigentümlich vertraute Weise verbunden. Sie wünscht sich Sichtbarkeit für Frauen*, die am Ball bleiben, anerkennung für weibliche Leistung und freut sich sehr, in diesem Jahr Schirmträgerin für dieses besondere Event zu sein und wünscht allen Teilnehmenden spannende und motivierende Spiele, euphorische Siege und verbindenden Sportler*innengeist.

Kristina Marlen ist Sexarbeiterin, Körper- und Physiotherapeutin aus Berlin. Berührung und Bewegung und damit verbunden auch Selbstermächtigung, Empowerment und Lust am eigenen Körper sind ihre Lebensthemen, welche zu ihrer Berufung geführt haben. Sie studierte Jura und Physiotherapie, bevor sie sich entschloss, ihren Schwerpunkt auf Sexarbeit zu legen.

In ihrer Arbeit kombiniert sie das tantrische Ritual mit Elementen des BDSM. Ihre Leidenschaft gilt der japanischen Seilbondage. Sie unterrichtet deutschland- und weltweit als Expertin für Körperarbeit, Bondage, sinnliche Kommunikation und explorative Sexualität für alle Geschlechter.

Dabei hat sich Kristina Marlen auf die Arbeit mit Frauen* spezialisiert. Die Stärkung des sexuellen Selbstbewusstseins von Frauen* ist für sie ein Politikum und Herzensanliegen. Ihre klar feministische Ausrichtung zu Sexarbeit und der Wunsch, sexuelle Selbstbestimmung für alle erlebbar und umsetzbar zu machen, treiben sie voran.

Sexarbeit ist in Kristina Marlens Leben Berufung, Leidenschaft und Vision. Sie glaubt, dass Sexarbeit unser Leben und unsere Gemeinschaften bereichern kann. Als Aktivistin arbeitet sie konstant an einer Vision, wie selbstbestimmte und gestärkte Sexarbeiter*innen die Welt verändern können - indem sie Intimität, Berührung, Wissen und Lust teilen. Als Aktivistin der Hurenbewegung ist sie seit über fünf Jahren aktiv und medial bekannt.  www.marlen.me